Ein Besuch auf der Cave-Con

Am Wochenende 21. – 22. März 2015 fand in Aschaffenburg die Cave-Con, eine Rollenspiel-Convention statt.

Vielleicht gibt es hier den einen oder anderen Leser, der sich fragt, was das denn überhaupt ist. Ehe ich mehr von der Veranstaltung erzähle, möchte ich deshalb ein wenig auf das Rollenspiel eingehen.

Pen & Paper:

Für diese Art des Spiels benötigt man, wie der Name bereits sagt, nicht mehr, als ein Blatt Papier, einen Stift und Würfel. Wie viele Würfel man benötigt, hängt davon ab, ob zwischendurch auf diese Weise ermittelt werden muss, wie mutig die Figur des Spielers ist, ob eine Aktion gelingt oder wie hoch der Schadenspunkt (Verletzung der Figur) nach einer Aktion ist. Ein Spielleiter erzählt während des Spiels die Geschichte in groben Zügen, doch die tatsächliche Handlung ist abhängig von der Entscheidung der Spieler.

Brettspiele:

Es gibt auch Brettspiele, die auf diese Weise gespielt werden. Bekannt sind eventuell D&D (Dungeons and Dreagons) oder DSA (Das schwarze Auge). Es gibt, wie auf zwei Fotos im Anhang erkennbar, die unterschiedlichsten Möglichkeiten für diese Brettspiele.

Auf dem Brett kann ein einfaches Verlies aufgezeichnet sein, das nach und nach vom Spielleiter mit Möbeln und Monstern gefüllt wird, doch es kann sich auch um eine aufwendig gebaute Stadt, ein Piratenschiff, eine Festung oder ähnliches handeln. Das kommt ganz darauf an, welches Setting man bevorzugt.

Erwünscht ist, dass man seine Figuren nicht nur stupide herumrückt, sondern ihnen eine Stimme verleiht, einen Namen gibt und eventuell sogar eine Geschichte. Man schiebt die Figur nicht nur herum, man „lebt“ sie.

Um einzelne Spielzüge festzulegen, Mut, Verletzung oder das Gelingen einer Aktion in Erfahrung zu bringen, benötigt man Würfel. In diesem Punkt sind Rollenspieler jedoch sehr eigen. Sie benutzen nicht jeden Würfel und schon gar nicht die eines anderen Spielers.

Die Auswahl der entsprechenden Würfel kann viel Zeit in Anspruch nehmen. Sind sie ausgewählt, so werden sie zu jedem Spiel mitgenommen.

Die dritte Möglichkeit des Rollenspiels nennt sich LARP.

Larper sind Live-Rollenspieler. Sie tragen eine entsprechende Gewandung und treffen sich mit anderen Larpern zum Spiel an bestimmten Orten. Sie benötigen weder Brett noch Papier, Stift oder Würfel, denn sie stellen ihr Spiel selbst dar.

Ein Rollenspiel, gleich welcher Art, kann mehrere Stunden dauern. Manche Kampagnen (einzelne Abenteuer, die jedoch zusammenhängen) nehmen oft viele Monate in Anspruch.

Jetzt aber genug der Erklärungen und auf nach Aschaffenburg zur Cave-Con.

Wer Lust auf Rollenspiele hatte, der traf sich an dem Wochenende 21.- 22. März im Jugendhaus in Aschaffenburg, einem weitläufigen, recht alten Komplex mit gotisch anmutenden rundbogenförmigen Durchgängen. In diesem Gebäude, so erzählte einer der Veranstalter, sei vor sehr langer Zeit mal das Krankenhaus untergebracht gewesen. Seit vielen Jahren aber sei es nun der Jugendtreffpunkt der Stadt.

In einem großen Veranstaltungsraum mit einer Bühne waren auf etlichen Tischen Spielflächen aufgebaut, die Städte oder Forts darstellten, an futuristische Welten oder Piraten denken ließen.  Mit Getränken und Snacks versorgt diskutierten die Spieler über Strategien und Züge des Spiels.

Die Spieler, so verriet mir einer der Mitarbeiter, kämen stets aus allen möglichen Ecken Deutschlands, denn die Cave-Con, die es seit nunmehr 23 Jahren gibt, ist in Spielerkreisen bekannt und beliebt.

Zudem gab es die Möglichkeit, Würfel und anderes Spielmaterial zu erstehen, Bücher zu kaufen oder zuzusehen, wie Figuren fürs Rollenspiel ihre Farbe erhielten. Bei der Winzigkeit der Figuren erfordert das eine sehr ruhige Hand.

Wer sich nicht nur dem Spiel widmen wollte, der bekam zudem die Möglichkeiten, an verschiedenen Lesungen teilzunehmen. So präsentierten Ursula Dittmer, Bernar LeSton, Torsten Low und Mathias Wenzel einer kleinen, aber geneigten Zuhörerschaft Passagen aus ihren Romanen oder Anthhologien.

In Ursula Dittmers Roman „Der Fasanthiola-Zyklus“ dreht es sich um ein rätselhaftes Buch, durch das der Würzburger Student Alexander Breskow in die Parallelwelt Fasanthiola gerät, in der er eine mittelalterliche Gesellschaft vorfindet. Nicht nur das: In Fasanthiola leben hochintelligente Drachen, fähig mit den Menschen durch Gedankensprache zu kommunizieren.

Bernar LeSton gab Geschichten aus seiner in diesem Jahr erscheinenden Anthologie „Dr. LeSton’s Kabinett der seltsamen Szenarien“ zum besten, in denen es unter anderem um einen Mann geht, der bei einem Unwetter in den Schweizer Alpen Zuflucht in einer Kate sucht, oder um einen Autor, der auf ungewöhnliche Art Rache an seinem gierigen Verleger nimmt.

Torsten Low las aus zwei in seinem Verlag erschienenen Anthologien. In „Krieger, Killer, Kannibalen“ beantwortete er die Fragen:

Wieso hält Peter ein kleines Mädchen in seinem Haus gefangen?
Was erwartet uns nach dem Tod?

In „Die dunkle Stunde“ lüftet er das Geheimnis um einen unheimlichen letzten Gast und das von Herrn Bosts Schokolade.

Wer eine Rollenspiel-Convention besucht, der sollte auch an einem Rollenspiel teilnehmen. Bernar LeSton hatte sich eine eigene Grundgeschichte erdacht, die in Rüsselsheim im Jahr 1865 angesiedelt war. Wir waren vier Spieler, Bernar LeSton übernahm den Posten des Spielleiters. Wer welche Rolle übernehmen wollte, durfte jeder nach dem Beginn der Anfangserzählung selbst entscheiden.

Zur Verfügung standen: Freifrau Wilhelmine von Verna, ein Kutscher, ein Rittmeister, ein Straßenjunge und Adam Opel. Die Geschichte spielte in jenem Park, der seinen Namen durch die Freifrau Wilhelmine erhielt (für Ortsunkundige: Der Verna-Park war lange Zeit ein privater Park mitten in der Stadt Rüsselsheim. Nur zwei Mal im Jahr gestattete die Freifrau dem „gemeinen“ Volk“ in ihrem Park spazieren zu gehen. Zu Adam Opel unterhielt Wilhelmine eine besondere Beziehung. Es heißt, sie sandte ihn auf ihre Kosten nach Frankreich, damit er dort alles Wissenswerte über den Autobau lernen sollte).

Unserer Geschichte spielte bei Einbruch der Dunkelheit, als die Freifrau sich von einem Mietkutscher zum Park bringen ließ, wo sie sich eigentlich heimlich mit ihrem Geliebten, dem Rittmeister, treffen wollte, doch dann fanden sie eine ohnmächtige Bedienung. Sie hatte sich auf dem Weg zur Arbeit befunden, als „ein Ungeheuer“ auftauchte, dessen Anblick ihr die Sinne schwinden ließ.

Dazu gesellten sich dann der Rittmeister, der behauptete, nichts gesehen zu haben, und ein Straßenjunge, der diese Aussage bestätigte. dennoch machte sich die Gesellschaft (ohne Bedienung und Kutscher) auf, um herauszufinden, was es mit dem Ungeheuer auf sich hat. Dabei treffen sie auf Adam Opel (dessen Part von dem Spieler übernommen wurde, der zuvor den Kutscher spielte) und stöbern tatsächlich einen Werwolf auf, der Opels Lehrjungen verschleppen will.

Nalex/Nina spielte übrigens grandios die Rolle des Rittmeisters. Ich von meiner Warte aus kann sagen, wir hatten eine Menge Spaß und haben viel gelacht.

Ach ja, ein Buch habe ich mir auch gekauft: Psychokiller, geschrieben von Anonymus. Dabei soll es sich um einen renommierten englischsprachigen Autoren handeln, dessen wahrer Name jedoch bisher von niemandem herausgefunden werden konnte. Sobald ich das Buch gelesen habe, werde ich euch erzählen, wie es mir gefallen hat.

Fotos habe ich auch geschossen und will sie euch natürlich nicht vorenthalten.

Für das leibliche Wohl war gesorgt ...

Das Cave-Con LogoOLYMPUS DIGITAL CAMERAFür das leibliche Wohl war gesorgt …

... nicht nur mit Süßem, sondern auch Gesundem

… nicht nur mit Süßem, sondern auch Gesundem

Bernar LeSton las aus seiner Kurzgeschichtensammlung

Bernar LeSton las aus seiner Kurzgeschichtensammlung

Eine SF Spiellandschaft ...

Eine SciFi-Spiellandschaft …

... und eine für ein Piratenabenteuer

… und eine für ein Piratenabenteuer

Bücher aller Art gab es auch zu kaufen

Bücher aller Art gab es auch zu kaufen

Hier sehen wir Torsten Low, seines Zeichens Verleger, in Pose.

Hier sehen wir Torsten Low, seines Zeichens Verleger, in Pose.  Er ist jedoch nicht so bissig, wie der Aufdruck seines Shirts behauptet, sondern sogar sehr nett.

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